Murtenschiessen

Sportschützen Gossau schreiben Geschichte beim 92. Murtenschiessen

Murten/Gossau – Es war ein geschichtsträchtiger Sonntag, der in die Annalen der Sportschützen Gossau eingehen wird. Ausgerechnet zum 550-Jahr-Jubiläum der Schlacht bei Murten sicherte sich die Gossauer Gruppe am 92. Historischen Murtenschiessen das begehrte Murtenfähnlein.

Dank einer Sonderregelung verbleibt die prestigeträchtigeTrophäe nun für immer im Besitz der Gossauer.

Der Besuch des Murtenschiessens hat für Schützenvereine aus dem Seeland denselben Stellenwert, wie in unserer Region der jährliche Gang an die Olma: Es ist ein Stück Schweizer Kultur, eine emotionale Standortbestimmung und der Beweis, dass die Welt doch noch in Ordnung ist. Die Sportschützen Gossau sind seit 21 Jahren regelmässig dabei. Das Murtenschiessen mit Umzug, Festredner und Feldgottesdienst ist nicht einfach eine alljährliche Schützensache. Der Traditionsanlass ist eingebettet in 4-tägige Feierlichkeiten: das Brunnenfest, der Festakt «550 Jahre Schlacht bei Murten», ein Mittelaltermarkt und die Murtner Solennität, ein Jugend- und Schulfest. Jedes Jahr wird am 22. Juni der Murtenschlacht von 1476 gedenkt. Über den Tag verteilt werden auf der Wiese vor dem Stadttor, dem Kanonemätteli, 22 Böllerschüsse, jeweils zu den wichtigen Zeitpunkten, abgegeben – der erste zur Tagwache um 5Uhr früh. Die gesamte Region ist an den Feierlichkeiten beteiligt.

Jung und Alt perfekt vorbereitet

Curdin Häfele, Ewald Bossart, Sammy Baumann, Dominic Stöckli, Mathias Gemperle, Désirée Dittli, Jonas Bohnenblust, Marc Lanter, Severin Strässle und Gabriel Strässle empfahlen sich beim Abschlusstraining in Gurmels als die zehn Gruppenschützen. Die Ersatzschützen André Schmid und Oliver Strässle garantierten, dass sich die gesamte Equipe am Vortag ernsthaft vorbereitete und sich keine Ausschweifungen gönnte.
Da es sich beim Murtenschiessen um ein Historisches Schiessen handelt, sind nur Ordonnanzgewehre erlaubt. Das Scheibenbild variiert und bleibt bis zum Eintreffen auf dem Bodenmünzi ein streng gehütetes Geheimnis. Auf dem Bodenmünzi , auch Feldherrenhügel genannt, hatte Karl der Kühne seine Zelte errichtet und von da aus kommandierte er die Belagerung der Stadt. Üblich ist das Schiessen unter Zeitdruck. 1400 Schützen absolvieren in weniger als 3 Stunden das zwölfschüssige Programm, wobei jeweils 100 Schützen gleichzeitig nebeneinander liegend mit den Füssen bergwärts den Hügel hinabschiessen.
Die Spannung steigt bis zum Absenden am späten Nachmittag stetig an. Bis dahin schüren alle Gruppen die Hoffnung zu den zehn Prozent kranzberechtigten Gruppen oder gar zu den Fähnligewinnern zu gehören.

1400 Schützen wollen das Fähnlein
Normalerweise ist das Murtenfähnli ein Wanderpreis. Erst wer das Schiessen dreimal gewinnt, darf die Trophäe definitiv sein Eigen nennen. Im diesjährigen Jubiläumsjahr – exakt 550 Jahre nach der historischen Schlacht von 1476 – hatten die Organisatoren jedoch beschlossen, ein spezielles Jubiläumsfähnlein zu spenden: „Wer am 21. Juni auf der Bodenmünzi triumphiert, nimmt ein Stück Geschichte mit nach Hause. Die Siegergruppe darf es direkt und für immer behalten.“ So konnte man auf deren Homepage lesen. Das gab es letztmals vor 50 Jahren.

Ein Sieg für die Ewigkeit
Diese Chance liessen sich die Gossauer nicht entgehen. Ob es nun pure Effizienz oder – wie im
Verein scherzhaft gemunkelt wurde – eine gesunde Portion Faulheit war, die den Trainingsfleiss
beflügelte: Die Motivation war nicht nur bei den Sportschützen Gossau auf absolutem Höchststand.

Als die Resultate feststanden, kannte der Jubel im Gossauer Lager keine Grenzen mehr. Mit
stolzen 326 Punkten setzte sich die Gruppe an die Spitze des Klassements. Im zwanzigsten Anlauf nach 9 Kranzgewinnen hat es endlich zum Sieg gereicht. Wie aussergewöhnlich diese Leistung ist, zeigt der Blick auf die Bestmarke: Der absolute Rekord am Murtenschiessen liegt bei 329 Punkten – den Gossauern fehlten also gerade einmal drei Pünktchen zum ewigen Bestwert. Die Gossauer Truppe bewies eine perfekte Mischung aus jugendlicher Unbekümmertheit und routinierter Nervenstärke. Die Zehnergruppe setzte sich aus drei Jungschützen, einem Veteranen, einen Senior und fünf Schützen im Elite-Alter zusammen. Dass nicht nach Alter oder Geschlecht getrennt wird, ist bei den Schützen normal. Das Murtenfähnlein 2026 wandert nicht weiter – es hat in Gossau seine ewige Heimat gefunden und wird aber in den kommenden Jahren die stolzen Gossauer zum Murtenschiessen begleiten.

Der Triumpf wurde im historischen Städtchen ausgiebig gefeiert. Die Mehrzahl der Gruppenschützen kehrte jedenfalls erst im Verlauf des Montags nach Gossau zurück.